Historie > Ansprache H. Remagen, 1996
Ansprache des Vorsitzenden, Heinrich Remagen.
Empfang 10 Jahre IG Neumarkt
21.08.1996
Gute Stube, Kreissparkasse Köln
Sehr geehrter Herr Seigner,
für Ihre einführenden Worte und die Begrüßung heute hier in Ihrem Haus zunächst herzlichen Dank. Ihre freundliche Einladung hat es ermöglicht, die heutige Feier direkt am
Neumarkt zu begehen, an dem sich vor 10 Jahren die Interessengemeinschaft gründete.
Geburtstag feierte die IG Neumarkt eigentlich schon am 17.März, dem Datum der Anmeldung zum Vereinsregister im Jahr 1986.
Wir freuen uns, an diesem schönen Morgen so viele Gäste, Freunde und Wegbegleiter begrüßen zu können:
- Herrn Bürgermeister Johannes Blum, in Vertretung der Oberbürgermeisters Frau Bürgermeisterin Renate Canisius
- Herrn Stadtdirektor Burkhardt von der Mühlen
- Frau Dr. Christiansen / Herrn Fruhner
- Herrn Polizeipräsident Roters
- den leitenden Polizeidirektor Granitzka
- die Herren Direktoren des Gesundheitsamtes, Herrn Dr. Leidel und der Stadtbibliothek, Herrn Dr. Neisser
- Herrn Dr. Vetterlein, Geschäftsführer der IHK Köln
- Thomas Raeder, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes
- Hanns Schaefer, Vorsitzender des Haus- und GrundbesitzervereinsHerrn Bernhard Conin, Geschäftsführer von KölnCongress
- und Herrn Wagner, Geschäftsführer der Kölner Außenwerbung
Herzlich Willkommen hier am Neumarkt!
Ich begrüße besonders herzlich auch die Damen und Herren aus den Ratsfraktionen und die Mitglieder der Bezirksvertretung, die Gäste aus dem Bezirksamt Innenstadt, dem Amt für Brücken- und
Stadtbahnbau und dem Amt für Straßen- und Verkehrstechnik Innenstadt.
Schließlich freue ich mich sehr, dass viele Vorstandskollegen von city-marketing köln und Vorstandsmitglieder der anderen City-Interessengemeinschaften heute unsere Gäste sind.
Allen Mitgliedern unserer Interessengemeinschaft Neumarkt ein besonderes Willkommen - unter Ihnen Herr Dr. Gottfried Wolff und Joachim Sandmann, die, wenngleich inzwischen im
Ruhestand, in besonderer Weise in der IG gewirkt haben. Aus einem engen Terminplan von der Universität zu uns gekommen ist Herr Prof. Dr. Jürgen Friedrichs, der heute den
Festvortrag halten wird. Last but not least auch den Vertretern der Medien, die heute sehr zahlreich erschienen sind, unsere besondere Begrüßung.
Es würde nicht nur den Rahmen der heutigen Veranstaltung, sondern jeden Rahmen sprengen, die letzten Jahre mit allen Ereignissen Revue passieren zu lassen. Deshalb möchte ich mich auf einige
Meilensteine konzentrieren und im übrigen auf die ausführlichen Presseveröffentlichungen verweisen - die heutige Sonderbeilage des Kölner Stadt-Anzeigers liegt hier aus.
Eigentlicher Vater der IG Neumarkt ist Hans-Jürgen Kremer aus dem Haus Fahrbach, der die Interessengemeinschaft gründete, als die Anlieger um den Neumarkt die Diskussionen
um Ost-West-U-Bahn, Verkehrsbündelung Süd und Tiefgarage unter dem Platz beschäftigte.
Das Engagement von Hans-Jürgen Kremer führte in weniger als einem Jahr alle Geschäftsleute und Freiberufler um den Neumarkt zusammen; 55 Mitglieder zählte die IG Ende 1986 - heute sind es
53.
Zurück zur "Erfolgsstory" der großen Pläne: Die Ost-West-U-Bahn fiel der wichtigeren Nord-Süd-Verbindung zum Opfer, die Verkehrsbündelung aller Verkehrsträger auf der Südseite
erwies sich als rein oberirdisch nicht realisierbar und die Diskussion um eine Tiefgarage unter dem Neumarkt endete nach einem wissenschaftlichen Hearing am 23.06.1987 unter
dem damaligen Oberstadtdirektor Kurt Rossa mit der Erklärung der dort befindlichen Römerschätze zum Bodendenkmal.
Zu dieser Zeit, im Juni 1987, veranstaltete die Interessengemeinschaft Neumarkt das erste Fest "Neumarkt live", das hunderttausende Besucher lockte.
Am 15.10.1987 kam es aus den Reihen der IG Neumarkt heraus zur Gründung des "Komitees zur Errichtung des Adenauer-Denkmals auf dem Neumarkt in Köln e.V.", dessen Vorsitzender Dr. Gottfried Wolff
wurde mit den Vorstandskollegen Konrad Adenauer und Prof. Henrik Hanstein. Es gelang, Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl als Schirmherrn zu gewinnen, und auf dem zweiten Fest "Neumarkt live" im Juli
1988 wurde mit vielen Aktionen der Grundstein für die spätere Realisierung dieses Projektes gelegt, das wie bekannt nicht mit einer Errichtung auf dem Neumarkt endete - das aber dennoch nach
vielen Wehen zu einem erfolgreichen Ende kam.
In der Folgezeit wuchs eine immer engere Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen aus Rathaus und Bezirksvertretung, in Bezirksamt, Dezernaten und Ämtern und bei der Polizei,
in der man bei allen Problemen und Planungen nach verträglichen Lösungen suchte. Dies betraf insbesondere Fragen der Verkehrstechnik, ordnungspolitische Problematiken und Projekte der
Stadtplanung. Die Ergebnisse waren manchmal geprägt von Tagesopportunitäten oder gekennzeichnet von der politischen Großwetterlage, aber sie waren dennoch immer zumindest der bestmögliche
Kompromiss.
An dieser Stelle sei heute allen Gesprächspartnern und eingebundenen Entscheidungsträgern aus Politik und Verwaltung für ihre Kooperationsbereitschaft, für lange Präsentations- und Vortragsabende
und für viele konkrete Umsetzungen und zuverlässige Unterstützung
im Namen aller Mitglieder der Interessengemeinschaft Neumarkt herzlich gedankt.
Wenngleich dem Neumarkt bis heute die ihm gebührende Gestalt nicht zuteil wurde, griff doch die Initiative der Anlieger immer dann, wenn ausuferndes Unwesen drohte: wildes
Parken auf der Platzfläche, unzulässige Nutzungen und Veranstaltungen oder Störungen im Verkehrsablauf.
Erfreulich ist, dass die Platanen als grüne Fassung des Platzes sich heute eines gesünderen Zustandes erfreuen als noch vor 10 Jahren.
Innerhalb der letzten 10 Jahre entstand aber auch die Neumarkt-Passage in diesem Haus und das Richmod-Zentrum, bevor letztlich "Neumarkt-Nord" als zusammenhängendes
Geschäftszentrum und verkehrsberuhigte Zone realisiert wurde.
Wenig erfreulich ist die Erinnerung an die Jahre 94/95, als sich die Drogenszene auf dem Neumarkt ansiedelte und bedrohliche Ausmaße annahm. Auf dem Höhepunkt mussten über 1.200 Deals täglich auf
dem Neumarkt und eine unkontrollierbare Beschaffungskriminalität registriert werden. Ich kann mich noch sehr gut an die vielen Gesprächskreise im Gesundheitsamt und im Haubrich-Forum erinnern,
deren Diskussionen nicht selten in Ratlosigkeit endeten. Beete voller Spritzbestecke, mit Drogen verstopfte Regenrohre, Blumenkästen und Geländer, Bedrohungen und Verunreinigungen waren zur
Normalität um den
Neumarkt geworden.
Dank des koordinierten Vorgehens aller Beteiligten und insbesondere des umsichtigen und konsequenten Einsatzes der Polizei, gelang es schließlich, nicht nur den Zulauf der internationalen
Drogenszene auf den Neumarkt zu stoppen, sondern vielmehr etwa 60 Prozent der Drogenkriminalität aus Köln zurückzudrängen und die restlichen 40 Prozent von diesem besonders gefährdeten
Verkehrsknotenpunkt in kontrollierte, weniger frequentierte Zonen zu verlagern.
Mit der Einführung der Niederflurtechnik bei den Stadtbahnwagen der KVB wurden zur Eröffnung 1995 die Bahnsteige auf der Südseite des Neumarktes neu gestaltet. Damit haben zunächst
wenigstens die Verkehrsanlagen ein großstädtisches und gepflegtes Bild erhalten. Im September und Oktober dieses Jahres soll nun auch der Haltestellen- und
Gleisanlagenbereich auf der Nordseite eine entsprechende Neugestaltung erfahren und wir freuen uns besonders, dass mit dieser Maßnahme auch die Kioske erneuert werden.
An dieser Stelle möchte ich Herrn Wagner von der Kölner Außenwerbung danken, dass er die Renovierung der Toilettenanlagen auf der Ostseite des Neumarktes rechtzeitig zu unserem Jubiläumsfest am
kommenden Samstag fertiggestellt hat. An dieser Seite schließt sich auch das Bild des Platzes mit einem ovalen Blumenbeet, das von der Interessengemeinschaft Neumarkt unterhalten wird.
Bevor ich auf das Neumarkt-Fest am Samstag zu sprechen komme, möchte ich nun Herrn Kremer, den ersten Vorsitzenden und seine beiden Nachfolger, Herrn Dr. Kunzmann und
Herrn Sandmann zu mir bitten, um Ihnen als Dank und Erinnerung ein kleines Andenken an die gemeinsam durchlebte Zeit zu überreichen. Herr Kremer stand der IG von 1986 bis
1988 vor, ihm folgte Herr Dr. Walter Kunzmann von 1988 bis 1992 und Herr Sandmann von 1992 bis 1996.
Nach diesem Rückblick nun die Vorschau auf unser Neumarkt-Fest am kommenden Samstag.
In Zusammenarbeit mit Hans-Georg Stallnig von Tanzen Breuer entstand die tolle Idee, auf dem Neumarkt einen Weltrekord-Versuch für das Guiness-Buch der Rekorde im Massentanzen
aufzustellen. Dank der tatkräftigen Unterstützung von Radio Köln und die Organisation von Maniac Media-Service ist ein rundes und attraktives Programm entstanden, das neben dem Rekordversuch
weitere Höhepunkte bietet: Um 11:00 Uhr werden die Botzeknöpp das Fest eröffnen, es folgt ein Showtanzprogramm, organisiert und präsentiert von
Tanzen Breuer, um 15:00 Uhr soll der Weltrekord für die Tänze Langsamer Walzer und Maccharena aufgestellt werden. Unter den Teilnehmern werden attraktive Preise verlost. Schließlich wird Azuka
für Stimmung auf dem Neumarkt sorgen, bevor das Fest mit dem Auftritt von Samantha Fox seinen abschließenden Höhepunkt findet.
Wir danken den Sponsoren:
- Kreissparkasse Köln
- Radio Köln
- Kölner Stadtanzeiger
- Tanzen Breuer
- Stadtsparkasse Köln
- Ärztehaus im Haubrich-Forum
- Buchhandlung Gonski
- Kaufhaus HERTIE
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
10 Jahre IG Neumarkt - was wird nun?
In einer Zeit der allgemeinen Globalisierung, der knappen Budgets, wirtschaftlicher Stagnation und zunehmender Orientierungslosigkeit angesichts eines allgemeinen Umbruchs
in der Gesellschaft stellt sich besonders deutlich die Frage, ob die Vertretung von oft gleich gerichteten Einzelinteressen durch regional benachbarte Interessengemeinschaften
sinnvoll und effizient ist. In einem gewachsenen Wirtschaftsraum mit einheitlicher Intention und Infrastruktur - wie ihn eine Innenstadt darstellt - könnten und sollten vielmehr die alle
gleichermaßen betreffenden Fragen unter Bündelung des Kreativ- und Wirtschaftspotentials
zusammen mit den Entscheidungsträgern in Wirtschaft und Politik diskutiert und gelöst werden. Die konkret ortsteil- und straßenbezogenen Interessen und Probleme müssen dagegen von den
Interessengemeinschaften gelöst werden.
Als heutiger Referent hat sich Herr Prof. Dr. Jürgen Friedrichs bereit erklärt, den Festvortrag zu halten mit dem Thema "Die Kölner City morgen".
Ich begrüße Herrn Prof. Friedrichs recht herzlich, danke ihm für sein Kommen und freue mich mit Ihnen auf seine Ausführungen.
Interessengemeinschaft Neumarkt e. V. Köln